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NFL hautnah: Referee bringt sein Wissen nach Deutschland

Intro: Während der internationale Markt der NFL weiter ausgebaut wird, rückt Deutschland zunehmend in den Fokus der US-Liga. Doch nicht nur für Teams und Fans gewinnt Europa an Bedeutung – auch für die Schiedsrichter. Im Gespräch mit kicker/football-world spricht der langjährige NFL & Super Bowl Referee Walt Anderson über seine Arbeit in Europa und Deutschland und erklärt, warum dieser Markt für die Entwicklung des Sports so wichtig ist.

Mit über 200 Spielen, darunter zwei Super Bowls, ist Walt Anderson einer der erfahrensten Offiziellen der NFL-Geschichte. Bis 2019 leitete er die Spiele in der Liga. Nun ist er als Schiedsrichter- und Regelanalyst unterwegs und gibt ebenfalls Schulungen für Offizielle.

Die Clinic: Weiterbildung nach NFL-Standards

Die Clinic ist eines der Projekte, die die NFL ins Leben gerufen hat, um Football als globalen Sport zu etablieren. Dabei sollen die Offiziellen in Europa geschult und auf ein höheres Niveau gebracht werden.

Im Mittelpunkt steht die Orientierung an den Standards der NFL. Gemeinsam werden beispielsweise Regeländerungen, Foul-Bewertungen oder Anpassungen beim Kickoff besprochen. Ziel ist es, die Ausbildung der Schiedsrichter international zu verbessern und ein einheitlicheres Verständnis der Regeln zu schaffen.

Andersons Mission in Europa

Über mehr als zehn Jahre hinweg kam Anderson jedes Jahr nach Deutschland, um auf dem Feld mit den Schiedsrichtern zu trainieren und sein Wissen weiterzugeben. Auch heute reist er regelmäßig nach Deutschland, um entsprechende Schulungen zu halten. Bereits im April steht die Nächste an: "Die Beziehungen sind über die Jahre hinweg immer geblieben", erzählt der 73-Jährige.

Dabei legt Anderson besonderen Wert darauf, junge Schiedsrichter mitzunehmen – vor allem diejenigen, die noch am Anfang ihrer Laufbahn stehen. Ihnen möchte er die wichtigsten Grundlagen des Berufs vermitteln: "Du willst immer, dass das Spiel um die Spieler, die Coaches und die Strategien geht. Es ist wichtig, dass Schiedsrichter ihre Rolle in diesem Gefüge kennen und sich nicht mehr, aber auch nicht weniger Bedeutung zuschreiben", betont er.

Ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung ist außerdem die Selbstanalyse. Genau wie Anderson es während seiner eigenen Karriere getan hat, sollen auch junge Offizielle lernen, ihre Leistungen kritisch zu bewerten. Dabei spielt moderne Technologie eine große Rolle – etwa beim Umgang mit Videomaterial.

Training als Schlüssel zum Erfolg

Als Schiedsrichter in der NFL oder auch in anderen Football-Ligen steht man ständig vor Herausforderungen: Ein schnelles Spiel erfordert schnelle Entscheidungen. Für Anderson ist klar, dass die größte Hürde jedoch an anderer Stelle liegt: "Das Üben und Lernen sind definitiv die größten Schwierigkeiten. Insbesondere Orte zu finden, an denen sie genügend trainieren können. Nicht jeder Ort oder jede Region hat da die gleichen Voraussetzungen." Auch in den USA gebe es Regionen, in denen Football stärker verbreitet sei als in anderen.

"Je mehr du trainierst, desto besser wirst du auch", bekräftigt Anderson. Gerade deshalb sei es wichtig, den angehenden Schiedsrichtern in Europa beizubringen, wie sie mit Videomaterial umgehen und sich so unabhängig von ihrem Standort weiterbilden können.

Europa im Fokus

Anderson erinnert sich noch gut an seine ersten Besuche in Deutschland: "Eines der Dinge, die ich bereits 1995 in Deutschland gemerkt habe, als ich das erste Mal da war, ist wie populär der Sport dort ist", sagt der erfahrene Spielleiter. Mittlerweile gehört der deutsche Markt zu den am schnellsten wachsenden Märkten der NFL. Bis 2029 wird es jährlich mindestens ein Regular Season Game geben, welches in Deutschland ausgetragen wird.

Durch die Initiative der NFL sei das Engagement der Referees in Europa und Deutschland insgesamt noch besser und internationaler geworden: "Was wir erreichen wollen, ist ein Teil des Ganzen sein und gemeinsam mit Spielern und Coaches den Football großartig machen."